Borreliose mit TCM behandeln

Borreliose in der TCM – ein Bericht von Dr. med. Lothar Kiehl

Borreliose

Kann die TCM eine wirkungsvolle Therapie bei Borreliose sein?

Seit 28 Jahren praktiziere ich als Allgemeinarzt und beschäftige mich seit nahezu 20 Jahren aus persönlicher familiärer Betroffenheit mit Borreliose. Seither bin ich täglich mit dieser Erkrankung und ihren Erscheinungsformen beschäftigt. Eingebettet in meinen ganzheitlichen Gesundheitspraxen (Naturheilverfahren, Alternative Schmerztherapie, Traditionelle Chinesische Medizin) können hier ganz besonders Borreliosepatienten mit einem seit Jahren bewährten therapeutischen Konzept umfassend betreut werden.

Als Mitglied der internationalen Therapeutenvereinigung ILADS (Internaionale Lyme and Associated Diseases Society) und der Deutschen Borreliosegesellschaft verhalte ich mich in schulmedizinischer Diagnostik und Therapie überwiegend deren Leitlinien gemäß!

Behandlungskonzept bei Borreliose Gesundheitspraxis Dr. med. Kiehl

Schumedizinisch

Diagnostik:

Labor: Serologie, LTT, CD57/NK, Serotoninspiegel, GR-Aktivität, Co-Infektionen

Symptomatik-Mimikry, CFS-Bogen, Körperstatus einschl. Neurologie

Therapie:

Gemäß der Leitlinien der DBG und der ILADS mit Antibiotika, Neurotoxinausleitung, wenn erforderlich. Alternativ ergänzend und wenn möglich, allein mit TCM individuell syndromorientiert.

  1. Kräutertherapie: Erregerspezifisch, antibiotisch wirksam und abwehrstärkend
  2. Akupunktur: Leitbahnen öffnend, schmerzlösend
  3. Fernöstliche Psychotherapie: Achtsamkeitsmeditation, Akzeptanz- u. Loslassübungen zur psychomentalen Wiederherstellung, Yoga, Qigong

Borreliosepatienten erleiden über Jahre hinweg vor, während und leider häufig auch nach schulmedizinischen Behandlungen schwere körperliche und seelische Beeinträchtigungen. Der Wunsch nach ergänzenden, auch alternativen Heilmethoden ist nur zu verständlich und nachvollziehbar. Allerdings sollte es sich hierbei um bewährte, risikoarme und nachweisbar wirksame Heilmethoden handeln, die zudem kontrollierbar angewendet werden können. Die Traditionelle Chinesische Medizin erfüllt diese Voraussetzungen. Grundsätzlich behandelt die TCM nach vorliegendem Syndrom, das heißt: aktuelle Symptomatik, Geschichte der Symptomatik, Konstitution, Möglichkeit der Einflussnahme auf die vorliegenden Disharmoniemuster

Besondere Behandlungsmethoden bei Infektionskrankheiten erstrecken sich traditionell überwiegend auf akute Geschehnisse, so lange der krankmachende Faktor (der Erreger) sich in der äußersten Schicht des Körpers befindet. Zu chronischen Infektionskrankheiten finden sich nur wenige spezifische Kräuterbehandlungskonzepte. Dies erklärt sich dadurch, dass chinesische Kräuter ihre Wirkung eher langsam entfalten und die Patienten häufig zu Zeiten ohne Antibiotika schneller verstarben als die Kräuter wirken konnten. Dennoch findet man in der neueren TCM wertvolle Hinweise auf wirksame Kräuter bei Erkrankungen wie Syphilis, Tuberkulose und Pest (Yersinieninfektion).

Neue Recherchen ergaben, dass 1986 erste Borrelioseerkrankungen in China nachgewiesen wurden. Sicher auch erst deshalb, weil von da an moderne Labor- und Liquordiagnostik möglich war. 2003 zeigten sich in 18 chinesischen Provinzen mehrere 1000 Fälle von nachgewiesener Borreliose. Wenn man die gesundheitspolitischen Strukturen in China kennt, weiß man, dass diese Untersuchungen und Nachweise nur stichprobenartig erfolgen können. Das bedeutet, dass die Zahl infizierter Chinesen exorbitant hoch sein muss.

In den 90er Jahren begann man am Institut of Material Medica an der Chinese Medical Academie in Peking mit pharmakologischen Forschungen über mögliche Wirksamkeit von TCM-Kräutern bei Spirochäteninfektionen. Die Leptospirose beispielsweise ist eine von Spirochätenbakterien ausgelöste Infektionskrankheit, deren Symptomatik und Verlauf in China schon vor 300 Jahren beschrieben und mit spezifischen Kräutern relativ erfolgreich behandelt wurde. Die damals wie heute noch verwendeten Kräuter zeigen eine teilweise erstaunlich gute Wirksamkeit.

Infektionsablauf der Borreliose aus der Sicht der TCM

Man betrachtet den Menschen in seiner Stofflichkeit aus mehreren Schichten bestehend. Nach dem Vier-Schichten-Modell dringt ein äußerer, krankmachender Faktor (Bakterium, Virus, Borrelien, Yersinien, etc., welcher Erreger wird nicht unterschieden) in den Körper ein, überwindet die äußere Schicht (Abwehrschicht). Je nach Abwehrlage oder Abwehr-Qi-Kraft des betroffenen Menschen dringt der Erreger erkannt oder unerkannt bis in die tiefsten Schichten (schulmedizinisch „Immunsystem“) vor.

Borrelien haben die Eigenschaft, nahezu unbemerkt in die tiefsten Schichten des Körpers einzudringen. In diesen tiefsten Schichten (Nähr-Qi- und Blut- Qi- Schicht, befinden sich unsere Energiereserven, unser Yin. Dieses Yin wird von den Erregern, in diesem Fall von den Borrelien, aufgebraucht und verzehrt. Der betroffene Mensch gerät in ein Ungleichgewicht von Yin und Yang.

Was ist Yin und Yang?

Yin ist das Nährende, das Blut, das Mütterliche, das Weibliche. Yang ist das Helle, das Aufwärtsstrebende, das wachsende Naturprinzip, das Männliche. Dieser manchmal auch schnell fortschreitende Yin-Zerstörungsmechanismus bewirkt einen Mangel an diesem Yin. Das hat gerade bei raubendem pathologischem Faktor zunächst einen so genannten Blutmangel zur Folge. Dies ist rein chinesisch zu sehen, kein wirklich messbarer Blutmangel!

Außerdem entsteht ein überschüssiges Yang. Diese infektionsbedingte Disharmonie ermöglicht eine Vielzahl von borreliosetypischen Symptomen. Durch den Yin-Blutmangel werden unsere Muskeln, Sehnen und Gelenke nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Es kommt zu Mangelblockaden mit Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen ohne schulmedizinisch auffällige Entzündungszeichen (z. B. negatives CRP, unauffällige BSG). Schulmedizinisch ist dies nahezu nicht erklärbar, aber in der TCM ein bekanntes Disharmoniemuster.

Weitere Auswirkungen dieses relevanten Blut- u. Yin-Mangels zeigen sich in so genannten Shen-Störungen. Unter Shen werden alle mentalen, geistigen Fähigkeiten und Erscheinungsformen eines Menschen zusammengefasst. Shen ist unser Geist und wohnt nach chinesischer Auffassung im Herzen. Shen benötigt für sein Wohlbefinden ausreichend Herzblut= Herz-Yin. Dieser Geist-Shen (unser Denken, Fühlen, unsere Persönlichkeit) fühlt sich zunehmend unwohl in seiner Umgebung, zeigt depressive Züge und ist innerlich nervös und angespannt.

Folgende Symptome können hierfür ein Hinweis sein: Schwindel, „benebelt sein“, Konzentrationsstörung. Auch wechselnde Missempfindungen in Extremitäten werden in der TCM-Literatur als Folge eines Yin-Mangels beschrieben. Wird eine Depression im Sinne der chinesischen Medizin diagnostiziert, besteht in aller Regel eine massive „Schleimansammlung mit Ablagerung im Herzen“ und somit Benebelung des Geist-Shen. In solchen Fällen wirken schulmedizinische Antidepressiva und eine antidepressive chinesische Behandlung mit Schleimfeuer lösenden Kräutern und Akupunktur.

Praktische Vorgehensweise in der TCM

Zu Beginn steht eine ausführliche Befragung des Patienten über seine gesamte Lebenszeit, Auftreten und Veränderungen der Symptome. Puls- u. Zungendiagnostik erlauben dann eine klar chinesische Diagnosestellung bezüglich des vorliegenden Disharmoniemusters.

Kräutertherapie

Die Kräutertherapie orientiert sich zunächst an der bereits geschilderten individuellen Situation des Grundsyndroms

Die Spezifische Kräutertherapie erfolgt nach vorliegender Art der Infektion, Stadium der Borreliose (mit oder ohne Aktivitätszeichen) und den Co-Infektionen. Hierbei kommen eben auch die bewährten Kräuter der TCM aus der Behandlung der Syphilis, der Leptospirose und der Tbc in Frage. Die Kräuterrezeptur wird für jeden Patienten individuell erstellt. Insbesondere muss immer die aktuelle Situation des Patienten berücksichtigt werden.

Akupunktur

Die Akupunkturtherapie findet nach individueller Punktauswahl und deren Variation nach entsprechender aktueller Situation statt. Kräuter- und Akupunkturtherapie wirken entsprechend synergetisch und stellen eine unabdingbare Einheit für den optimalen Therapieerfolg dar. Die Leitbahnen (Meridiane) werden von Blockaden und Störungen befreit. Die Kräuter können so effektiver wirken. Besonders gute Auswirkungen der Akupunktur sieht man bei Schlafstörungen, Schwindel, Parästhesien und Paresen.

Wiederherstellung und Kräftigung der Abwehrkräfte

Unabdingbar aus chinesischer Sicht ist der Wiederaufbau der Körperabwehr (sogenannte Wei-Qi), schon während der laufenden spezifischen Therapie und vor allem während der Ruhephase und im Anschluss nach einer Behandlung. Hierzu werden wiederum auf den einzelnen Patienten abgestimmte Kräuter und chinesische Heilpilzkonzentrate, die in China zur Behandlung von AIDS-Patienten eingesetzt werden, Akupunktur, Tuina-Massagen (Meridianmassagen) und Eigenbluttherapie angewendet.

Wiederherstellung der psychomentalen Gesundheit und Leistungsfähigkeit

Neben den klinisch-wissenschaftlich auch nachweisbaren Beeinträchtigungen des Gehirnstoffwechsels (z.B. Tryptophan-Serotonin-Achse) und den daraus folgenden erheblichen Störungen der psychomentalen Leistungsfähigkeit, ist die psychisch-seelische-Auswirkung dieser Erkrankung enorm. Ein oft jahrelanger Leidensweg, fehlende Anerkennung im sozialen Umfeld, teils unverschämte Diffamierung als psyhotisch-hypochondrischer Simulant bis hin zum Komplettverlust der persönlichen Wertigkeit im privaten und beruflichen Lebensbereich.

Hier leisten Elemente der fernöstlichen Psychotherapie wie Achtsamkeitsmeditation, spezielle Atemübungen, Akzeptanz-Loslasstraining, Yoga, Qi Gong sehr große Hilfe und runden das Gesamtkonzept einer ganzheitlichen Behandlung nachhaltig ab.

TCM begleitet den Menschen in seiner Leidens- u. Lebenssituation dauerhaft und greift dann mehr oder weniger intensiv helfend ein, wenn es erforderlich ist.

Nachdem die Borreliose als chronische Infektionskrankheit in ihrem Verlauf, ihrer Ausprägung und ihren Aktivitäts-Ruhephasen von unglaublich vielen Faktoren abhängig beeinflusst wird, erscheint eine möglichst umfassende, nicht belastende und dem Bedarf angepasste ganzheitliche Therapie zwingend erforderlich. Belastende Faktoren sind hier z.B. Persistenz des Erregers, Co-Infektionen, chronische Inflammationsprozesse, Behandlungsfolgen, Umweltgifte, eine ungesunde Lebensweise und vieles mehr.

Die alleinige Abtötung der Krankheitserreger ob durch Antibiotika oder sonstigen Methoden wird meiner Meinung nach der Komplexität der Erkrankung und des Infizierten nicht gerecht.

Die TCM ist eine mögliche individuelle und vor allem wirksame Heilmethode. Dies konnte in der im April 2011 veröffentlichten Studie zur Wirksamkeit von TCM bei chronischer Borreliose ein Stück weit objektiviert werden.

Die gesamte Studie können Sie unter www.dr-med-kiehl.de finden und herunterladen.

Der Autor erstellt derzeit ein Praxishandbuch für TCM-Therapeuten „Borreliose mit TCM behandeln“

Dr. med. Lothar Kiehl
FA f. Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren, Traditionelle Chinesische Medizin, Ganzheitliche Gesundheitspraxis
Besondere Untersuchungs- u. Behandlungsmethoden bei Borreliose
Praxis Weiden, Moosbürger Str. 13, 92637 Weiden, Tel. 0961/3881783, Praxis Vohenstrauß, Don-Bosch-Str. 3, 92648 Vohenstrauß, Tel. 09651/2287. http://www.dr-med-kiehl.de

Dr. Lothar Kiehl
Über Dr. Lothar Kiehl (1 Artikel)
Seit 1988 niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin/Naturheilverfahren, TCM- Ausbildung in der Schule für TCM an der 1. TCM Klinik Deutschlands (Bad Kötzting) im Jahre 2004; Diverse Weiterbildungen (Prof. Huang Huang, EIOM; Giovanni Maciocia,..). Seit ca. 20 Jahren Beschäftigung mit der Infektionskrankheit Lyme-Borreliose. Seit April 2012 Privatpraxis in Ganzheitlicher Gesundheitspraxis in 92637 Weiden, Moosbürger Str.13, Tel: 0961/3881783 und 92648 Vohenstrauß, Don-Bosco-Str. 3; Tel: 09651/2287; www. dr- med-kiehl.de