Burnout aus Sicht der Tibetischen Medizin

Dr. Florian Ploberger zu Burnout aus Sicht der Tibetischen Medizin.

In dem bedeutendsten Werk der Tibetischen Medizin „rgyud bzhi“ ist ein ausführliches Kapitel, nämlich das zweite des dritten Abschnittes, dem Thema „rlung“ gewidmet. Dieser Begriff wird in der deutschen Sprache oft mit „Wind“ wiedergegeben. Manche rlung-Krankheitsbilder weisen Symptome auf, wie sie häufig bei einem „Burnout“ zu finden sind.

Als Ursache dieses Krankheitsbildes wird auf geistiger Ebene ein Überschuss an „Begierde“ angesehen. Wir sind mit dem Erreichten nicht zufrieden, haben Sehnsucht nach Dingen, geistigen Eigenschaften etc., die wir nicht besitzen. Genauer gesagt gibt es laut tibetischer Tradition aber 15 Arten von rlung-Krankheitsbildern mit jeweils verschiedenen Ursachen, Symptomen sowie Therapiekonzepten.

Die Ursache jeglichen Leidens (insgesamt soll es 84.000 verschiedene Krankheitsbilder geben) liegt laut Tibetischer Medizin in „ma rig pa“, im Deutschen oft mit „Unwissenheit“ übersetzt. Diese Unwissenheit besteht auf diversen Ebenen. Wir wissen nicht, wer wir sind, wie wir uns zu verhalten haben, welche Umgebung uns gut tut, welche Nahrungsmittel und Medikamente wir einnehmen können.

Weitere Ursachen für rlung und hiermit auch eines Burnouts sind laut Tibetischer Medizin:

zu häufige Sexualität bei Männern, Geburten bzw. Stillen bei Frauen, intensive Blutverluste, Schlafmangel; erschöpfende Tätigkeiten mit Körper, Rede und Geist oder Fasten.

Ausgehend von einer präzisen Diagnostik, welche die Analyse des Pulses, die Betrachtung des Urins sowie die Befragung des Patienten beinhaltet, gibt der Arzt nun individuell an den Patienten angepasste Ernährungs- und Verhaltensempfehlungen. Sollten diese nicht effizient genug sein, kommen darüber hinaus sogenannte äussere Therapien wie beispielsweise Bäder, Massagen und die Goldene-Nadel-Akupunktur zur Anwendung. Am effizientesten werden individuell an die Befindlichkeit des Patienten angepasste tibetische Pillen angesehen. Diese Pillen werden 2 bis 3 Mal täglich mit heißem Wasser eingenommen.

An dieser Stelle noch einige allgemeine Empfehlungen:

um laut rgyud bzhi rlung zu behandeln, ist das äussere Einreiben des Körpers mit Sesamöl sowie die Einnahme von Samen und Ölen, Eiern, Butter, (Pferde-, Esel- und Murmeltier)-Fleisch sowie Knochensuppen anzuraten. Darüber hinaus sollte man sich unter einen schattigen Baum setzen und sich lediglich mit Menschen umgeben, die einem wohlgesonnen sind.

Dr. Florian Ploberger
Über Dr. Florian Ploberger 9 Artikel
Dr. med. Florian Ploberger, B.Ac., MA, TCM-Arzt, Tibetologe, Fachbuchautor. Internationale universitäre und interdisziplinäre Lehrtätigkeit und zahlreiche Publikationen in den Themenbereichen Tibetische Medizin und TCM. Präsident der Österreichischen Ausbildungsgesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin (ÖAGTCM). Mehrere Bücher veröffentlicht. (Schwerpunkte: Westliche Kräuter aus Sicht der TCM sowie Tibetische Medizin). Von der Direktion des Men-Tsee-Khang (Institut für Tibetische Medizin und Astrologie in Dharamsala, Nordindien) mit der Übersetzung der ersten beiden und des letzten Teils des bedeutendsten Werkes der Tibetischen Medizin (rgyud bzhi) beauftragt. Weitere Informationen finden Sie unter www.florianploberger.com [su_button url="https://www.naturmed.de/buch-autor/ploberger-f/" target="blank" background="#28782d"  rel="nofollow"]Dr. med. FLORIAN PLOBERGER, B.Ac., MA[/su_button]