Neurodermitis mit TCM behandeln

Die Geschichte der kleinen Marie

aus Stöger TCM und Hautkrankheiten
Aus: Chinesische Medizin bei Hautkrankheiten von A. Stöger
Aus: Chinesische Medizin bei Hautkrankheiten von A. Stöger

Hilfe….es juckt so!! Die Neurodermitis

Behandlungsbeispiel Neurodermits

Das atypische Ekzem, wie die Neurodermitis heute oft genannt wird, entwickelt sich oft schon im ersten Lebensjahr. Ferner bezieht sich der chinesische Name ‚Vierkurvenwind‘ auf die vier Hautstellen, die am häufigsten befallen sind: Ellen-und Kniebeugen, leider können aber auch Kopf, Gesicht und Körper betroffen sein. Im wesentlichen kategorisiert die TCM drei Hauptstadien der Neurodermitis: fötale Hitze (Kleinkinder), Nässe-Hitze (ältere Kinder) und Bluttrockenheit (Erwachsene).

Die Rolle des Immunsystems aus Sicht der TCM

In den ersten Lebensjahren muss das Immunsystem lernen mit Infektionen umzugehen. Demzufolge ist nach einem überstandenen Infekt häufig ein Entwicklungsschub des Kindes festzustellen. Folglich, werden diese Immun-Antworten vom Körper nicht gelernt oder werden sie unterdrückt, gewöhnt sich das Immunsystem an die wiederkehrenden Infekte. Demzufolge   sammeln sich Pathogenese an und behindern den freien Fluss von Qi und Blut, durch die Zwischenräume und Poren der Haut (cos li).

Daraufhin kommt, aus Sicht der TCM, eine angeborene Schwäche des transportieren und transformativen Organsystems (Milz/Magen). Fernen führen verschleppte oder unterdrückte Krankheiten, klimatische Belastungen, aber auch emotionaler Stress und Toxine  zu Ansammlungen von ‚Nässe-Hitze‘, ‚Wind‘ und Hitze in der Haut. Infolgedessen wird die Haut zunehmend schlechter ernährt, es kommt zum Ausbruch der Ekzeme mit dem typischen, störrisch quälenden Juckreiz.

Beispielsweise die tapfere Marie

Marie war 16 Monate als sich die ersten Ekzeme zeigten. Zunächst waren im Herbst nur einige Stellen am Hals zu sehen, aber in den Wintermonaten verschlechterte sich die Krankheit rasant und alle Beugen der Gelenke waren befallen. Durch den Juckreiz schlief sie sehr schlecht, konnte sich wegen der Ekzeme nicht auf ihren Armen abstützen, weinte viel und war insgesamt eher ein in sich gekehrtes Kind. In ihrer Krankengeschichte waren bereits wiederholte Antibiotikatherapien wegen mehrfacher Blasenentzündungen und  Mittelohrvereiterungen zu finden. Außerdem zwang eine schwere Mastitis die Mutter, Marie früh abzustillen.

Die westliche Therapie bestand aus kortikoid – und antibiotikahaltigen, juckreizstillenden Cremes und Salben. Den bereits gestressten Eltern wurde geraten jede Aufregung von Marie fernzuhalten, was indirekt weiteren Stress bedeutete und die Familie belastete. Phasenweise besserte sich das Ekzem, brach jedoch immer wieder massiv aus.

Aus Sicht der TCM

Vom Standpunkt der TCM Diagnose hatte das junge Immunsystem noch keine Chance sich unbelastet zu entwickeln und es hatten sich bereits viele Dysbalancen im Organsystem manifestiert. In der TCM Therapie wird das Gleichgewicht von Yin und Yang, der Ausgleich von Kräften und Tendenzen, sowie die Überwindung bzw. Dynamisierung von Blockaden angestrebt. Marie wurde mit chinesischen Kräutern (innerlich und äußerlich), Shonishin (jap. shōni – Kleinkind; shin – Akupunkturnadel, eine in Japan entwickelte Form der Akupunktur, speziell für Kinder. Bei Shonishin wird nicht gestochen) und  Moxibution behandelt.

Anfänglich richtete sich die Therapie auf die Erleichterung des Juckreizes als Primärsymptom. Maries individuelle Kräutertherapie wurde während des Therapieverlaufes kontinuierlich angepasst. Infolgedessen sind aufgrund der vielfältigen Ausprägungen der Symptome Standard-Rezepturen zur Einnahme nicht möglich.

Ungeachtet dessen sind einige klassische Rezepturen und Tipps zur äußerlichen Anwendung  durchaus als Hausmittel geeignet. Dennoch ist es wichtig, dass die kleinen Patienten beobachtet werden, bei Verschlechterungen muss das Mittel abgesetzt werden. Ebenfalls sollten äußere Mittel nicht im Gesicht angewandt werden, da Kleinkinder sich diese versehentlich in Mund, Nase oder Augen reiben könnten. Klassisch westliche Therapeutika sollten bis zur stabilen Verbesserung der Symptome ’stand by‘ gehalten werden.

Rezepturen bei Neurodermitis

Pulver, das Nässe zerstreut (bei nässenden Ekzemen)

  • Galla chinensis   .           62.00 g
  • Arecae, Sm.                   47.00 g
  • Scutellariae, Rx              72.00 g
  • Phellodendri, Cort.       120.00 g
  • Coptidis, Rz.                   14.00 g

Pulver mit ungeröstetem Sesamöl und einem Tl Rhizinusöl (gereinigt) zu einer Paste mischen, auf sterile Gaze auftragen und 2 x tägl. betroffene Stellen betupfen.

Indigopulver (Zutaten pulverisiert), klärt und kühlt

  • Indigo, naturalis             30.00 g
  • Gypsum, fibrosum         60.00 g
  • Talcum                           60.00 g
  • Phellodendri, Cort          30.00 g

Pulver mit ungeröstetem Sesamöl und einem Tl Rhizinusöl (gereinigt) zu einer Paste mischen, auf sterile Gaze auftragen und betroffene Stellen betupfen.

Waschungen und Bäder (TCM und TEM) helfen bei Neurodermitis

  • Mirabilitum (Glaubersalz) 200-300 g

3 gehäufte Tl in 200-300 ml kaltem Wasser auflösen und mit einem sterilen Mull-Läppchen 5 mal täglich auf betroffene Stellen tupfen/ leicht pressen. Besonders geeignet im Anfangsstadium.

Juckreiz stillendes Bad (ältere Kinder)

  • Cort. Salicis
  • Cort. Querci
  • HB. Viola tric.
  • Cort. Hamamelidis             aa ad 100g

15 min kochen lassen und in ein Voll/Teibad geben.

Ölmischung, heilend, juckreiz- und entzündungshemmen

  • Sanddorn-Frucht-Öl        10 ml
  • Myrrhe-Öl                          5,0 ml
  • Calendula-Öl                     5,0 ml
  • Nachtkerzen-ÖL               20,0 ml
  • Sesam-Öl (kaltgepr.)       800,0 ml
  • Rhizinusöl                          2,0 ml

2 x tägl. einmassieren.

Übrigens, Maries Eltern konnten die kortisonhaltigen Salben über ein Jahr langsam ‚ausschleichen‘ ohne dass der Juckreiz wieder massiv wurde und ihr Immunsystem lernte mit Infekten umzugehen. Im Kindergarten entwickelte sie einen ausgesprochenen Sinn für Ungerechtigkeiten, was sie zu einem beliebten Spielgefährten in der Gruppe machte.

Atopiker wie Marie werden immer ‚dünnhäutig‘ und sensibel bleiben, aber das darf durchaus positiv gesehen werden!

 

Hier finden Sie Apotheken die TCM Produkte und Kräuter führen:
www.tcm-apo.de

Irene Suhr
Über Irene Suhr 13 Artikel
Irene Suhr ist Heilpraktikerin und Diplomierte Therapeutin für Chinesische Medizin (ABZ-Ost, Shou Zhong) mit eigener Praxis in Berlin-Charlottenburg, war als TCM- Therapeutin im Oberlin Rehazentrum MVZ Potsdam, im Centrum für TCM-Potsdam, sowie extern für die Schmerzambulanz des KEH-Berlin tätig. Seit 2006 regelmässige Fortbildungen in Naturheilkunde und TCM. Vorträge über westliche Krankheitsbilder aus Sicht der TCM, für Laien und Therapeuten im Oberlin-Rehazentrum. Mitglied der Arbeitgemeinschaft-TCM. Webseite http://www.Praxis-Jungfernheide.de